Namibia-Waisenkinder
Namibia-Waisenkinder

Neuigkeiten Oktober - Dezember 2014

In den letzten Monaten hörte man viel Negatives über die Beziehung zwischen Deutschland und den Regierungsvertretern der Herero, zwischen deutschsprachigen Namibiern und ihren Herero sprechenden Landsleuten und zwischen Deutschen und Herero im Allgemeinen. Vieles ist hohe Politik oder es sind Konflikte, die von außen in unser Land getragen oder von internen Interessen und Fraktionen bestimmt wurden, und sie entsprechen nicht unbedingt der Lage vor Ort. So wurde am 3. Oktober 2014 in der kleinen Siedlung Ombujomumbonde,

mitten im Kommunalgebiet in der Nähe von Okakarara, ein Gebäude eingeweiht, das in jeder Hinsicht den landläufigen Vorstellungen  von herero-deutschen Beziehungen, den Beziehungen der Herero untereinander und auch der geläufigen Vorstellung von Kirche und Gottesdienst widerspricht. 

Wie fing es an? Ueriuka Festus Tjikuua, ein Community Leader der Herero, zog nach seiner Pensionierung zurück in seinen Heimatort Ombujomumbonde, wo er heute nahe der Gräber seiner Vorfahren lebt und ein paar Rinder hält. Nicht weit von seinem Haus entfernt stand, so lange er zurückdenken konnte, ein alter Kameldornbaum, unter dem sich ab und zu unterschiedliche Menschen oder Grüppchen versammelten, um zu beten, um etwas zu besprechen oder um dort die monatlichen Pensionen für die Alten in Empfang zu nehmen. Wenn der Wind blies, der Regen prasselte oder die Sonne zu sehr brannte, gab es keinen Platz, zu dem man ausweichen konnte.

Tjikuua schaute sich dies eine Weile an und entwickelte dann die Vorstellung eines Ortes, der, neben diesem Baum stehend, dieselbe Funktion erfüllen würde, nur geschützter und geräumiger. Ein Ort, der alle Menschen einlädt, in ihm zu beten und nachzudenken, unabhängig von Konfession und Glauben. Ein Treffpunkt für Männer und Frauen aller Clans, Familien und politischer Parteien, allerdings ausdrücklich nicht für parteipolitische Zwecke. Und ein Treffpunkt für Lehrende und Lernende – für Kindergärten für die Kleinen und Alphabetisierungskurse für die Älteren, die nie lesen und schreiben gelernt haben. Ein Haus wie ein lebendiger Baum.

Tjikuua besprach die Idee mit seinen Nachbarn, entwarf einen einfachen Grundriss und bat einen Freund, einen Bauplan zu zeichnen. Die Community war begeistert und bot ihre Hilfe an. Einige spendeten Geld, andere rodeten das Areal für den Bau, fuhren Sand heran, stellten Ziegelsteine her, zogen einen Zaun und halfen beim Anmalen der Wände. Doch das Geld reichte nicht. Tjikuua setzte sich mit Erika von Wietersheim aus Windhoek und Gertrud Schmotz aus Deutschland in Verbindung, die wiederum Bischof Hertel von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche mit einbezogen. „Dies könnte ein Modell für andere Gemeinschaften, auch für den Council of Churches in Namibia, für die Zusammenarbeit von Kirchen sein“, sagte Hertel und stellte sofort sein Kirchenbüro für das Projektmanagement zur Verfügung. Gertrud Schmotz sammelte Geld über Freunde in Deutschland ein und der Bau konnte zügig voran schreiten.

Schon bald standen die Mauern, ein Zaun und die ersten Fensterrahmen, aber es fehlten noch ein paar Tausend Euro. Ein Besuch bei der Deutschen Botschaft brachte große Freude. Botschafter Onno Hückmann  war sofort bereit, aus dem Fonds für Kleinprojekte den Bau zu unterstützen, und so konnte im September der Dachstuhl fertig gestellt, der Boden zementiert, Plaketten angebracht und achtzig einfache Stühle gekauft werden.

 

Am 3. Oktober, bei der festlichen Einweihung, kamen die Männer und Frauen der umliegenden Communities in ihren schönsten Kleidern sowie Pastoren verschiedener Konfessionen und Kirchen, Headmen, Kinder und Jugendliche zusammen. Auch Gertrud Schmotz und Erika von Wietersheim waren anwesend und wurden mit großer Freundlichkeit und Herzlichkeit begrüßt. Da der Termin mit dem Tag der Deutschen Einheit zusammenfiel, konnte der deutsche Botschafter leider nicht anwesend sein und Bischof Hertel war inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt, doch Plaketten neben dem Eingang erinnern an  den Beitrag der BRD zu diesem Projekt, an das Engagement der DELK in Namibia und an die großzügigen Spender in Deutschland.

 

Es herrschte eine Atmosphäre der Freundschaft und Gemeinsamkeit und es gab weder versteckte Kritik noch unterschwellige Feindschaft. Gertrud Schmotz zündete während der Feier zwei Kerzen an, eine für Namibia und eine für Deutschland, und zitierte, indem sie die Kerzen nebeneinanderstellte, Hermann Hesse: „Wo befreundete Wege zusammen laufen, da wird die Welt, ein paar Stunden lang, zu einer gemeinsamen Heimat.“ - Ein kleines, aber gemeinschaftlich erbautes Haus setzt ein Zeichen der Hoffnung für ein Leben in Gemeinsamkeit für Menschen verschiedener Konfessionen, Interessen und Bedürfnisse und für die Freundschaft zwischen Herero und Deutschen in Namibia und Deutschland.

 

Erika von Wietersheim

freie Journalistin Windhoek/ Namibia

Das fertiggestellte Gebetshaus wurde am 3.Oktober 2014 eingeweiht.

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